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  Allgemeines 2007-04-18

Göttinger Sportwissenschaftler Krüger fordert weitgehende Doping-Freigabe - Bach: „Mit mir nicht zu machen“

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Auch dem besten Sportler geht mal der Dampf aus und er kann trainieren wie wild, es wird nicht mehr besser. Die Natur hat Grenzen gesetzt, die nur noch marginal verändert werden können. Bei den vielbejubelten Weltveranstaltungen, wo die besten aus allen Ländern zu ihren Leistungsvergleichen antreten, zeigt sich immer deutlicher, daß selbst mit den aberwitzigsten Techniken der Messmethoden nur noch Verbesserungen in der dritten oder vierten Kommastelle möglich sind. Manch einer kommt nun auf die ...
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Der Sportwissenschaftler Professor Arnd Krüger hat sich für eine weitgehende Freigabe von Dopingmitteln ausgesprochen. „Wenn es um das Wohl der Sportler gehen würde, müssten erst einmal Ski alpin und Boxen verboten werden. Die meisten Medikamente auf der Dopingliste sind viel ungefährlicher als der Sport selbst“, begründet der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Sportwissenschaften der Universität Göttingen sein ungewöhnliches Postulat.

Krüger setzt bei dem Einsatz von leistungssteigernden Mittel auf das Argument des „mündigen Athleten“: „Ich halte es für sinnvoll, dass Athleten mit bewährten Medikamenten zur Leistungssteigerung verantwortungsvoll umgehen dürfen.“

Der ehemalige Spitzen-Leichtathlet Krüger spricht sich dafür aus, die früheren Dopingregeln der Vereinigung der professionellen männnlichen Tennisspielern (ATP), auf den gesamten Leistungssport zu übertragen. In diesen seien lediglich Heroin, Kokain, Marihuana und Amphetaminen verboten gewesen. Anabolika, Testosteron, Wachstumshormone, EPO und weitere derzeit verbotene Substanzen wären so mit erlaubt.

„Ich möchte leistungssteigernde Mittel - wenn es das Wort gibt - entteufeln, anstatt sie nur zu verteufeln", so Krügers Rechtfertigung. „Man kann 30 Tennisturniere im Jahr und ein Bum-Bum-Tennis mit hohen Aufschlaggeschwindigkeiten nicht ohne Anabolika spielen.“

Auch der Profi-Fußball sei nicht frei von Doping, so der Göttinger Wissenschaftler: „Wenn die Fach-Doper aus der Leichtathletik plötzlich als Fitnesstrainer auf der Bank auftauchen, gerät man schon ins Grübeln.“ Als Beispiel für eingesetzte Mittel nennt Krüger Anabolika: „Diese steigern die Aggressivität und lösen Glücksgefühle aus. Werden sie abgesetzt, kommt es zu Depressionen. Auch das ist bei Fußballern zu sehen.“

Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), wies die Forderung Krügers energisch zurück: „Damit würde man junge Menschen quasi zum Doping zwingen und dem Leistungssport jede ethische Rechtfertigung nehmen; das ist mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und mit mir nicht zu machen.“
app.
 
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Auch dem besten Sportler geht mal der Dampf aus und er kann trainieren wie wild, es wird nicht mehr besser. Die Natur hat Grenzen gesetzt, die nur noch marginal verändert werden können. Bei den vielbejubelten Weltveranstaltungen, wo die besten aus allen Ländern zu ihren Leistungsvergleichen antreten, zeigt sich immer deutlicher, daß selbst mit den aberwitzigsten Techniken der Messmethoden nur noch Verbesserungen in der dritten oder vierten Kommastelle möglich sind. Manch einer kommt nun auf die Idee, daß er vielleicht das eine oder andere Tausendstel herausschinden kann, wenn er seinen Körper täglich noch mehr kasteit. Ein anderer Futtert Spaghetti oder Eier bis zum erbrechen, mit dem Ergebnis, daß er so dick wird, bis er tot umfällt. Wieder andere versuchen der schwachen Natur mit den Wundermitteln der Chemie nachzuhelfen. Das ist offensichtlich das einzige was wirklich noch etwas nützt. Nun sagen die Kodexwächter des Sports: "Das gildet nicht!" und schmeißen jeden, den sie mit ausgeklügelten Methoden dabei erwischen, daß er etwas gegessen hat, was auf einer kompliziert zusammengestellten Liste von Verboten steht, aus dem Wettbewerb. Mancher wird gar im nachhinein, wenn er schon gewonnen hat, disqualifizieren. Es ist aber ein ungleicher Kampf. Die einen erfinden immer neue Energiecocktails, die verborgen bleiben sollen und die anderen erfinden immer raffiniertere Methoden das Zeug noch nach Tagen im Blut, im Urin oder gar in den Haaren nachzuweisen. Was soll eigentlich der ganze Schwachsinn? Wer zuviel Anabolika ißt und damit seinem Körper schadet, darf kein Weltmeister werden. Warum eigentlich nicht? Wer zuviel Eier ißt und seinem Körper schadet, fällt tot um und wird dann ganz von selbst kein Weltmeister mehr. Jetzt stellt sich heraus, dass die Radlfahrer alle irgendwelche Energiespender zu sich nehmen, wissenschaftlich ausgeklügelt und kaum nachweisbar. Der ganze verlogene Haufen soll doch zum Teufel gehen. Der Professor Krüger scheint der einzig vernünftige in dem ganzen Sportzirkus zu sein, der sich einen Rest von normalem Menschenverstand bewahrt hat, wenn er sagt, gebt den Burschen was sie wollen. Sie sollen nur mit anschließenden gesundheitlichen Problemen nicht der Solidargemeinschaft zur Last fallen.
2007-06-01 18:34:11
Prof.Dr. Thomas Abeltshauser LL.M.:
Die Forderung Krügers nach einer Freigabe praktisch aller Dopingmittel kann wohl kaum Ernst genommen werden. Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet aus wissenschaftlicher Sicht eine solche Meinung offensichtlich ernsthaft proklamiert wird. Schon das Argument, dies ließe sich mit dem mündigen Sportler und der Selbstverantwortung für seinen Gesundheitszustand ausreichend begründen ist völlig verkürzt und blendet die wesentlichen Argumente aus. Mag es noch hinnehmbar sein, dass es den Sportlern frei stehen könnte, sich selbst in das "Freakkabinett" zu spritzen und zu schlucken sind die Grenzen spätestens dann erreicht, wenn es um die Frage der Wettbewerbsgleichheit und Gerechtigkeit geht, es sei denn, das Krüger ernsthaft die Auffassung vertreten sollte, Sport ist nicht mehr der faire Wettbewerb ungedopter Sportler sondern eher der Wettbewerb pharmazeutischer Spitzenprodukte und ärztlicher Giftmischer. Ob sich die Verhaltenskidicis nationaler und internationaler Sportorganisationen - allen voran das IOC - hiermit vereinbaren lassen, dürfte mehr als fraglich sein. Insofern wäre es sicher sinnvoller, Sponsoren und Funktionäre dazu anzuhalten, die Vielzahl gwinnträchtiger Sporttuniere auf ein verantwortliches Maß zu reduzieren, so dass damit der von Krüger angeführte Bum-Bum-Sport vermieden werden könnte. Prof.Dr.jur. Thomas Abeltshauser LL.M. Hamburg, d. 21.04.07
2007-04-20 12:41:18
André P. Pantel:
Krügers Meinung, dass es legitim sei, Doping u.a. deswegen zu legalisieren, weil die Gefahr für die Gesundheit eines Sportlers auch durch den Sport selbst (Boxen, Ski) gegeben ist, muss doch sehr verwundern! Sie erinnert an eine Äußerung eines Halbwüchsigen, die mir kürzlich zu Ohren kam: "Warum soll ich aufhören zu Rauchen? Der Straßenverkehr ist doch auch gefährlich, auch da kann man sterben..." Wenn Krügers Forderung jemals in Erfüllung gehen sollte, dann mal ein herzliches "Willkommen in der Freakshow".
2007-04-18 17:27:25

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